Engineering
SPS trifft Cloud: Brücken bauen ohne Kabelsalat
Die Cloud ist großartig – im Rechenzentrum. Eine SPS ist großartig – an der Maschine. Spannend wird es dort, wo beide miteinander reden müssen. Genau dort entstehen viele der hartnäckigsten Architektur- und Betriebsprobleme moderner Anlagen.
Drei Welten, drei Latenzen
Eine SPS denkt in Millisekunden. Ein Lagerverwaltungssystem in Sekunden. Ein BI-Dashboard in Minuten. Wer das ignoriert und alle drei direkt miteinander verbindet, baut sich Störquellen, die später niemand mehr versteht.
Mein Standardansatz: zwischen den Welten gibt es immer eine Pufferschicht – idealerweise ein Message-Bus oder eine Edge-Komponente, die die Tempi voneinander entkoppelt.
Edge first, Cloud second
Moderne Anlagen brauchen lokale Intelligenz. Wenn die Internetleitung ausfällt, darf der Sortiervorgang nicht stehen bleiben. Die Edge übernimmt deshalb das, was zeitkritisch ist – die Cloud das, was analytisch oder organisatorisch wertvoll ist.
Diese klare Trennung erleichtert nicht nur den Betrieb, sondern auch die Sicherheit: Der Pfad von „außen“ in die Steuerungswelt wird schmal und kontrollierbar.
„Cloud-First ist gut. Edge-First ist klüger, sobald reale Hardware im Spiel ist.“
Was ich konkret empfehle
- OPC UA als gemeinsame Sprache für die Steuerungsebene – standardisiert, gut unterstützt, brauchbar abgesichert.
- Asynchrones Messaging (z. B. MQTT oder Kafka) als Rückgrat für alles, was nicht echtzeitkritisch ist.
- Klare Trennung von Steuerung und Analytik – ja, auch wenn es kurzfristig mehr Aufwand bedeutet.
- Nur ein Weg in die Steuerung, dieser dafür sorgfältig auditiert.
Hype ist kein Architekturmuster
„Wir machen jetzt alles Cloud“ ist genauso eine Sackgasse wie „Wir bleiben für immer auf Blech“. Die spannende Frage ist nie, ob etwas modern klingt, sondern ob es für die Anlage funktioniert, die tatsächlich gebaut wird.
Brücken zwischen SPS und Cloud sollen nicht beeindrucken. Sie sollen tragen.